Praxis

Website-Pflege automatisieren: vier Aufträge für einen KI-Agenten

Titelbild mit der Überschrift „Website-Pflege automatisieren: vier Aufträge.“ in weißer Schrift auf graphitfarbenem Grund

Eine Firmenwebseite ist nie fertig. Das merkt man nicht am ersten Tag, sondern nach einem halben Jahr: Ein Link zeigt auf eine Seite, die es nicht mehr gibt. Ein Bild hat keinen Alternativtext. Die Jahreszahl im Footer stimmt nicht mehr. Ein Plugin ist seit acht Wochen veraltet. Das Kontaktformular schickt seit dem letzten Update keine Mails mehr — und niemand hat es gemerkt, weil niemand hinsieht.

Nichts davon ist schwierig. Alles davon ist lästig, und genau deshalb bleibt es liegen.

Wir haben das an der eigenen Firmenseite durchgerechnet — controlrooms.at, eine WordPress-Seite mit heute 44 Seiten, 67 Beiträgen und rund 500 Bildern. Beim großen Durchgang im Juli mussten 101 Adressen Metadaten bekommen, 439 Bilder Alternativtexte, und ein Vollcrawl förderte tote Verweise und Altlasten in 95 von 101 Seiten zutage. Das war Wochenarbeit — und der Bestand ist seither schon wieder gewachsen. Genau das ist der Punkt: Die Arbeit hört nicht auf.

Die Frage lautet also nicht, ob man diese Arbeit automatisieren sollte, sondern welchen Teil davon.

Was an einer Firmenwebseite regelmäßig anfällt

Sortiert nach dem, was passiert, wenn man es liegen lässt:

  • Erreichbarkeit. Ist die Seite online? Antwortet sie in vertretbarer Zeit? Ein Ausfall am Wochenende bemerkt man sonst am Montag.
  • Defekte Verweise. Interne Links auf gelöschte Seiten, externe Links auf Anbieter, die es nicht mehr gibt. Beides schadet der Auffindbarkeit und wirkt schlampig.
  • Fehlende Metadaten. Jeder neue Beitrag braucht Titel, Beschreibung und Alternativtexte für Bilder. Wird beim Schreiben gern vergessen.
  • Updates. Software, Erweiterungen, Sicherheitslücken. Nicht selbst einspielen — aber wissen, dass etwas ansteht.
  • Sicherungen. Nicht ob sie eingerichtet sind, sondern ob sie letzte Nacht tatsächlich gelaufen sind und die Datei nicht null Byte groß ist.
  • Veraltete Inhalte. Jahreszahlen, Preise, Ansprechpartner, Öffnungszeiten, Zertifikate mit Ablaufdatum.
  • Formulare. Kommt eine Testanfrage tatsächlich im Postfach an? Der häufigste stille Ausfall überhaupt.

Zusammen sind das je nach Größe zwei bis fünf Stunden im Monat — wenn man es macht. Meistens macht man es nicht, und dann sind es einmal im Jahr drei Tage am Stück.

Was ein Agent davon übernehmen kann

Ein Agent wie Hermes unterscheidet sich hier von einem Chatfenster in einem entscheidenden Punkt: Er kann zeitgesteuert arbeiten, ohne dass jemand ihn anstößt, und das Ergebnis dorthin schicken, wo man es liest.

Für controlrooms.at haben wir vier Aufträge zugeschnitten. Sie sind in normaler Sprache formuliert — genau so werden sie hinterlegt:

Täglich, 06:30 — Der Kurzbericht

Prüfe jeden Morgen um 6:30 alle Adressen aus der Sitemap von
controlrooms.at. Melde mir per Telegram:
  · Seiten, die nicht mit Status 200 antworten
  · Seiten, die länger als 2 Sekunden brauchen
  · defekte interne oder externe Verweise
Wenn alles in Ordnung ist, schreib nur eine Zeile.

Der letzte Satz ist der wichtigste. Ein Bericht, der jeden Tag drei Absätze lang ist, wird nach einer Woche nicht mehr gelesen. Eine Zeile „102 Seiten geprüft, alles in Ordnung“ liest man in zwei Sekunden — und man merkt sofort, wenn sie einmal anders aussieht.

Montags — Die Inhaltsprüfung

Sieh jeden Montag nach, welche Beiträge in der letzten Woche neu
dazugekommen sind oder geändert wurden. Prüfe, ob Titel und
Beschreibung gesetzt sind, ob die Beschreibung zwischen 120 und
160 Zeichen liegt und ob alle Bilder einen Alternativtext haben.
Was fehlt, listest du auf — mit Vorschlägen, aber ändere nichts.

„Ändere nichts“ ist Absicht. Dazu gleich mehr.

Nachts — Die Sicherungskontrolle

Kontrolliere jede Nacht um 3:00, ob die Sicherung gelaufen ist.
Prüfe Datum und Dateigröße. Wenn sie fehlt, älter als 24 Stunden
ist oder auffällig kleiner als die vorherige, melde das sofort.

Eine Sicherung, die niemand prüft, ist keine Sicherung, sondern eine Hoffnung. Der Fall, der wirklich weh tut, ist nicht die fehlende Datei — es ist die Datei, die seit sechs Wochen leer geschrieben wird, während das Plugin brav „erfolgreich“ meldet.

Monatlich — Die Alterungsprüfung

Durchsuche einmal im Monat alle Seiten nach Angaben, die veralten
können: Jahreszahlen, Preise, Namen von Ansprechpartnern,
Öffnungszeiten, Verweise auf Produkte, die es nicht mehr gibt.
Erstelle eine Liste nach Dringlichkeit.

Diese Prüfung findet Dinge, die kein technisches Werkzeug findet — weil sie inhaltlich falsch, aber technisch einwandfrei sind. Eine Seite mit „Neu im Sortiment 2024“ liefert brav Status 200.

Die Regel, ohne die es gefährlich wird

Der Agent darf alles prüfen, nichts veröffentlichen. Er schlägt vor, ein Mensch entscheidet.

Es ist verlockend, den Agenten fehlende Beschreibungen gleich selbst schreiben zu lassen. Technisch geht das. Man sollte es trotzdem nicht tun — jedenfalls nicht auf einer Live-Seite, die Kunden sehen.

Der Grund ist nicht, dass der Vorschlag schlecht wäre. Der Grund ist, dass niemand mehr hinschaut. Ein Agent, der zwanzig Beschreibungen selbst schreibt und veröffentlicht, produziert zwanzig Texte, die nie ein Mensch gelesen hat. Beim einundzwanzigsten Mal steht dann etwas auf der Seite, das dort nicht stehen sollte.

Der praktikable Mittelweg: Der Agent bereitet vor und legt als Entwurf ab. Die Freigabe bleibt beim Menschen — sie dauert zwei Minuten statt zwanzig, aber sie findet statt.

Was das kostet und was es voraussetzt

  • Server: ein kleiner virtueller Server ab etwa fünf Euro im Monat. Der Agent muss durchgehend laufen, um zeitgesteuert zu arbeiten.
  • Modellnutzung: bei vier Aufträgen dieser Art im Bereich weniger Euro monatlich. Die Prüfungen selbst sind einfache Abfragen; teuer wird erst das Formulieren langer Texte.
  • Einrichtung: ein halber bis ganzer Tag für jemanden, der mit Kommandozeile und Konfigurationsdateien umgehen kann. Das ist der eigentliche Posten.
  • Zugänge: ein eigener Benutzer mit Leserechten für die Website. Nicht der Administrator-Zugang, den man selbst benutzt.

Dem gegenüber stehen die zwei bis fünf Stunden im Monat, die man heute für die manuelle Kontrolle braucht — oder eben die drei Tage am Stück einmal im Jahr, wenn sich alles aufgestaut hat.

Wie das bei uns läuft

Die Pflege unserer Seiten hat ein Agent übernommen — Erweiterungen, Datenbank, fehlende Metadaten, neue Inhalte. Vorher lief das über eigene Skripte, die von Hand gestartet wurden: Metadaten für 101 Adressen, Alternativtexte für 439 Bilder, ein Vollcrawl über den gesamten Bestand. Das funktionierte, hatte aber genau den Nachteil, den Automatisierung löst — es passierte nur, wenn jemand daran dachte.

Welcher Agent das ist und was er sonst noch übernimmt, steht im Erfahrungsbericht zu Hermes. Die vier Aufträge oben sind so formuliert, dass sie sich mit jedem Agenten umsetzen lassen, der zeitgesteuert arbeiten kann.


Offenlegung: controlrooms.at ist die Website der controlrooms GmbH, deren Geschäftsführer der Autor dieses Beitrags ist. Sie dient hier als Beispiel, weil wir die Zahlen dazu haben — nicht als Werbung. Dieser Beitrag enthält keine Provisionslinks.

Welche Wartungsaufgabe frisst bei dir am meisten Zeit? Schreib es uns — daraus wird vielleicht der nächste Auftrag, den wir durchmessen.

Weiterlesen

Praxis

Was ein KI-Agent bei uns wirklich übernimmt

Angebote, E-Mail, Websites, Erinnerungen: Hermes läuft bei uns seit Monaten im Produktivbetrieb. Was der Agent übernimmt, was er kostet, wo die Grenzen liegen — und wie man ihn auf einem kleinen Server aufsetzt.

7 Min.

Praxis

KI im Betrieb einführen, ohne Geld zu verbrennen

Die meisten Betriebe fangen beim Werkzeug an und scheitern daran. Fünf Schritte, die in der richtigen Reihenfolge vorgehen — mit einer Messung, die zeigt, ob es sich wirklich rechnet.

5 Min.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert