Praxis

KI im Betrieb einführen, ohne Geld zu verbrennen

Titelbild mit der Überschrift „KI im Betrieb einführen, ohne Geld zu verbrennen.“ in weißer Schrift auf graphitfarbenem Grund

Der Ablauf ist in fast jedem Betrieb derselbe. Jemand liest von einem Werkzeug, legt ein Konto an, probiert zwei Wochen herum und ist beeindruckt. Dann kommt der Alltag zurück. Drei Monate später läuft das Abo noch, benutzt wird es nicht mehr, und die Erkenntnis lautet: „Für uns ist das nichts.“

Das ist selten wahr. Meist wurde nur in der falschen Reihenfolge angefangen.

Der Fehler steckt in der ersten Frage

Wer mit „was kann dieses Werkzeug?“ beginnt, landet zwangsläufig bei Spielereien. Man lässt sich ein Gedicht schreiben, eine Mail umformulieren, ein Bild erzeugen. Das ist beeindruckend und für den Betrieb wertlos, weil es keine Aufgabe ersetzt, die vorher jemand gemacht hat.

Die brauchbare erste Frage lautet umgekehrt: „Welche Aufgabe kostet uns am meisten Zeit — und könnte eine Maschine daran mitarbeiten?“

Nicht das Werkzeug einführen und dann eine Verwendung suchen. Die Aufgabe nehmen und prüfen, ob es dafür ein Werkzeug gibt.

Schritt 1: Die richtige Aufgabe auswählen

Nicht jede zeitraubende Aufgabe eignet sich. Eine taugliche erste Aufgabe erfüllt möglichst viele dieser Punkte:

  • Sie kommt regelmäßig vor — mindestens wöchentlich. Bei etwas, das dreimal im Jahr ansteht, lohnt der Aufwand nie.
  • Sie besteht überwiegend aus Text — schreiben, lesen, sortieren, zusammenfassen, übersetzen. Hier sind die Werkzeuge heute stark.
  • Es gibt ein erkennbar gutes Ergebnis, das jemand im Betrieb beurteilen kann.
  • Ein Fehler ist ärgerlich, aber nicht gefährlich. Für den ersten Versuch nichts wählen, wo ein Fehler direkt beim Kunden landet.
  • Der Aufwand lässt sich beziffern. Wenn niemand sagen kann, wie lange es heute dauert, lässt sich später auch kein Erfolg feststellen.

Typische Kandidaten im Mittelstand: Angebote aus wiederkehrenden Bausteinen erstellen, Ausschreibungsunterlagen nach relevanten Stellen durchsuchen, Kundenanfragen vorsortieren, Besprechungsnotizen in eine Aufgabenliste verwandeln, technische Dokumentation aus vorhandenen Unterlagen erzeugen.

Schritt 2: Vorher messen

Der Schritt, den fast alle überspringen — und ohne den man hinterher nichts beweisen kann.

Nimm die gewählte Aufgabe und halte für drei bis fünf Durchläufe fest: Wie lange dauert sie? Wer macht sie? Wie oft kommt sie vor? Was kostet die Stunde dieser Person im Betrieb?

Daraus ergibt sich eine Zahl, die vorher niemand kannte. Häufig ist schon dieser Schritt aufschlussreich: Manche Aufgabe, über die alle stöhnen, kostet im Jahr weniger als gedacht. Und manche Nebensächlichkeit frisst still fünfstellige Beträge.

Schritt 3: Klären, welche Daten im Spiel sind

Bevor ein Werkzeug ausgewählt wird, muss klar sein, was hineingegeben werden soll. Kundendaten, Kalkulationen, Verträge und Personalunterlagen unterliegen anderen Regeln als ein Blogtext.

Diese Sortierung entscheidet, ob ein gewöhnlicher Cloud-Dienst infrage kommt oder ob es ein System braucht, das den Betrieb nicht verlässt. Wer sie überspringt, baut etwas auf, das später abgeschaltet werden muss.

Ausführlich behandelt das der Beitrag Für diese Daten gibt es keine Cloud-Option.

Schritt 4: Einen Durchlauf bauen, nicht ein System

Jetzt erst kommt das Werkzeug. Und zwar so klein wie möglich: ein Ablauf, eine Aufgabe, eine Person, die ihn benutzt.

Rechne mit mehreren Anläufen. Der erste Versuch liefert selten brauchbare Ergebnisse — nicht weil das Werkzeug schlecht wäre, sondern weil die Anweisung zu vage war, die Beispiele fehlten oder der Zuschnitt der Aufgabe nicht passte. Das ist normal und der eigentliche Teil der Arbeit.

Eine Faustregel aus der Praxis: Wenn nach dem dritten ernsthaften Anlauf nichts Brauchbares herauskommt, liegt es meist nicht am Werkzeug, sondern an der Aufgabe. Dann lieber eine andere wählen, als das Werkzeug zu wechseln.

Schritt 5: Nachher messen — und den Mut haben aufzuhören

Dieselbe Messung wie in Schritt 2, drei bis fünf Durchläufe. Dann steht die Rechnung.

Und hier ist der wichtigste Satz dieses Beitrags: Wenn sie nicht aufgeht, ist der Versuch trotzdem gelungen. Du weißt jetzt, dass diese Aufgabe sich nicht eignet, und hast das mit ein paar Stunden Aufwand herausgefunden statt mit einem Jahresvertrag und einer Schulung für zwölf Leute.

Der häufigste Fehler nach dem Pilot ist nicht das Scheitern, sondern das Weitermachen aus Trotz — weil schon Zeit hineingeflossen ist.

Was das kostet, ehrlich gerechnet

Für einen ersten Anwendungsfall im kleinen Betrieb solltest du rechnen mit:

  • Werkzeugkosten: meist zwischen 20 und 60 Euro pro Person und Monat, je nach Anbieter und Tarif.
  • Eigener Zeitaufwand: ein bis drei Arbeitstage, verteilt über zwei bis vier Wochen. Das ist der größere Posten und wird regelmäßig unterschätzt.
  • Laufender Aufwand danach: gering, aber nicht null. Anweisungen und Vorlagen wollen gepflegt werden, wenn sich etwas ändert.

Wenn die eingesparte Zeit diesen Aufwand nicht innerhalb weniger Monate übersteigt, war es die falsche Aufgabe.

Was du am Montag tun kannst

  1. Nimm ein Blatt Papier und schreib drei Aufgaben auf, die im Betrieb regelmäßig Zeit fressen.
  2. Streich alle, bei denen ein Fehler direkt beim Kunden landen würde.
  3. Bei der ersten verbleibenden: notiere eine Woche lang, wie oft sie vorkommt und wie lange sie dauert.
  4. Dann erst schau, ob es dafür ein Werkzeug gibt.

Diese vier Schritte kosten nichts und ersparen erfahrungsgemäß die meisten Fehlentscheidungen.


Wenn du das nicht selbst machen willst: Wir begleiten kleine und mittlere Betriebe genau durch diese fünf Schritte. Wie das abläuft, steht auf der Seite KI einführen. Das Erstgespräch ist kostenlos, und wenn KI für deine Aufgabe nicht das richtige Mittel ist, sagen wir das.

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